Mende Honda CB 1300 aus Motorrad News November 2006

Der großen Honda CB 1300 mangelt es wahrlich weder an Leistung noch an Drehmoment. So die landläufige Meinung. Ein Vollblut-Tuner wie Christian Mende aus dem niedersächsischen Salzhemmendorf sieht das naturgemäß etwas anders.

An Hondas verbessert er von der Transalp bis zur Double-X nahezu alles, was zwei Räder hat, jetzt hat er sich erstmals an den Hubraumriesen gewagt. Ziel: Einmal natürlich mehr Leistung, gleichzeitig wollte er dem Motorrad einen sportlicheren Charakter verleihen, ohne dessen Wesen als souveränen, schaltfaul zu fahrenden Gleiter durch Zeit und Raum zu verwässern.

Für den Big Block bietet Mende zwei Ausbauvarianten an. Die erste Stufe umfasst das übliche Einmaleins des gepflegten Motoren-Tunings, quasi das Aufwärmtraining für jeden gestandenen Veredeler: Gewichtsabbau, Polier- arbeiten, Änderung der Brennraumform, Bearbeitung der Kolbenböden oder der Einlasskanäle. Schon davon verspricht Christian Mende ein Leistungs- und Drehmoment- plus von 15 Prozent.

Da bebt die Erde. Bei der Mende Big One lassen 138 Nm und 154 PS Muskeln und Asphalt erzittern.

In Stufe zwei geht er dann richtig in die Vollen.

Der gesamte Ventiltrieb wird überarbeitet inklusive neuer Einlassnockenwelle und stabilerer Ventilfedern, die Kurbelwelle verliert 3,6 Kilo, die Ausgleichswelle fliegt raus, Schaltwalze und Getrieberäder müssen ebenfalls zur Diät. Dazu kommt eine von 9,6 auf 12,45 erhöhte Verdichtung.

Nach dieser Kur attestiert der Leistungsprüfstand der Mende Big One 154 PS bei 8250 und ein Drehmomentgebirge von 137,5 Nm bei 7150 U/min (Serie: 116 PS bei 7000 und 117 Nm bei 6000 U/min). In der Praxis wirkt sich das so aus, dass die Big One in jedem Gang und bei jeder Drehzahl schiebt ohne Ende. Das ist aber keine brachiale Leistungseruption, sondern vielmehr ein permanenter gnadenloser Druck, der bis zum Begrenzer die Arme längt. Zudem hängt der Motor dank der erleichterten beweglichen Teile sehr viel spontaner am Gas. Das Getriebe schaltet sich noch eine Spur exakter, wobei sich Schalten angesichts der Drehmomentorgie meist als überflüssig herausstellt.

Auch die Demontage der Ausgleichswelle macht sich nicht durch stärkere Vibrationen bemerkbar.

Natürlich hat Meister Mende daran gedacht, das Fahrwerk der CB 1300 dem gestiegenen Leistungsvermögen anzupassen. Das bedeutet in erster Linie geänderte Elemente der Radführung. So arbeitet vorn eine Showa Upside-Down-Gabel, hinten kommen zwei Wilbers-Federbeine zum Einsatz.

Die Edelteile garantieren ein deutlich strafferes Fahrverhalten und einen direkten Kontakt zur Fahrbahnoberfläche. Ein ganz großes Plus der Big One im Vergleich zur Serien-CB liegt in der erheblichen Gewichtseinsparung. 37 abgespeckte Kilos führen zu einem erheblich leichteren Handling, über den breiten, konifizierten Supermoto-Lenker hat der Fahrer das Gefährt perfekt im Griff. Die Stopper hielt der Niedersachse ebenfalls nicht mehr für angemessen. Er ersetzt sie durch drei Bremsscheiben von France Equipement mit passenden Zangen. Vorn verzögern Sechskolben Festsättel von Nissin vehement und auf den Punkt genau, hinten hilft ein Brembo Zweikolben-Festsattel.

Dazu kommen eine Menge Bauteile, die das Motorrad Stück für Stück weiter veredeln. Die Felgen stammen von Galespeed aus Japan und bestehen aus geschmiedetem Alu, wobei die hintere Felge mit 6.50 Zoll einen Zoll breiter als in der Serie ausfällt. Die Füße ruhen auf einer edlen Rastenanlage von Gilles, und diverse neue Kunststoffteile verleihen der Big One ein kraftvoll dynamisches Äußeres. In der Summe hat Christian Mende ein Motorrad gebaut, das die Qualitäten eines klassischen Big Bikes mit sportlichen Eigenschaften paart: Operation gelungen, Patient macht Höllenspaß.

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